Trainingslager im Süden!

img_0064Über Himmelfahrt und Pfingsten verweilten einige von uns in der Schweiz und/oder in Italien, um sich auf die bevorstehenden Höhepunkte Junioren-WM und Jugend-EM vorzubereiten (Link Nominierungen). Natürlich standen die Trainings im Vordergrund, aber die Rahmenbedingungen gaben durchaus auch Anlass und Gelegenheit zu Spaß…

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Zunächst stand aber eine knapp 10-stündige Anreise ins Tessin auf dem Programm, die nicht nur spaßig war („Warum werden wir eigentlich grad im (San-Bernardino-)Tunnel bergauf langsamer“ führte zu Panik auf der Rückbank) und auch am Himmelfahrtstag noch ihre Nachwirkungen zeigte. So kamen zwar einige, allen voran Franz mit dem 4. Platz, gut bei der schweizerischen Jugend-EM- und Junioren-WM-Quali zurecht, andere hingegen waren doch erschöpft von der langen Fahrt. Dennoch war diese Langdistanz für alle eine sehr wertvolle Einheit, da sie uns, wie es auch die Wettkampfläufe tun werden, alles abverlangte. Trotzdem musste man sich am Abend natürlich noch etwas lockern beim Fußballspiel, das wir für uns entscheiden konnten – irgendwo mussten wir ja auch mal siegen dürfen… Nach diesem Tag schliefen wir auch in unserem „Zivilschutzbunker“ – einer unterirdischen ABC-Schutz-Anlage von ca. 40×100m Größe mit 30cm dicken Stahltüren und 3-stöckigen Betten – sehr gut.

img_0119Am Freitag stand ein OL-Training mit diversen illegalen Grenzüberschreitungen statt, denn wir wechselten ständig von der Schweiz nach Italien und zurück. Diese Passagen waren nicht ungefährlich, stehen dort doch vier Reihen eines 3m hohen rostigen Stacheldrahtzaunes mit nicht ganz mannshohen Durchgängen. Trotzdem waren keine Verluste zu beklagen. Nachmittags gab es ein Polysportturnier mit Volleyball, Fußball und „Linienball“, bei dem wir die Sonne deutlich zu spüren bekamen. Abends gab es dann den Stadt-Sprint in Lugano, bei dem einige kleine Probleme auftauchten – wir hatten schon nicht genug Kopflampen und die vorhandenen gingen während des Laufes aus, außerdem gab es einen Posten, bei dem man gern durch die Talstation der Bergbahn gelaufen wäre, was dem Personal natürlich nicht gefiel, sowie Posten, die gut hinter Mülltonnen und Hecken versteckt waren. Dennoch hat diese Einheit Spaß gemacht, vor allem die Bergab-Passage!

img_0102Samstagvormittag gab es Routenwahl- und Attackpoint-Training und beim Picknick hinterher mehr Wurst, Käse und Schokolade als Brot. Überhaupt wurden wir vom Freibad des Dorfes, in dem wir wohnten, immer gut versorgt und konnten gleichzeitig günstig schwimmen (bzw. rutschen) gehen. Nachmittags gab es dann den „Parallelslalom“ – 2 Läufer starten gleichzeitig auf eine gegabelte Bahn, und das bei einer Startüberhöhung von schlappen 250m. Fehler vorprogrammiert…! Aber Spaß hat es gemacht, nachdem man erst mal am Start war!!! Beim Lagerabend ging es in gemischten Teams der verschiedenen Regional- und Nationalkader dann noch in einigen kleinen Wettbewerben an den Start. Neben der Frage, wer am kreativsten ein Ei verpackt, um es aus 5m Höhe fallen zu lassen, war dies vor allem ein Mikro-OL, an dessen Schwierigkeitsgrad (die Posten waren nicht mal einen Quadratzentimeter groß) aber leider alle verzweifelten.

dsc_6067Sonntag gab es in denselben Teams die abschließende Staffel, die in einem offenen Gelände mit hervorragender Sicht ausgetragen wurde. Der Gegnerkontakt spornte noch einmal zu schnellem Laufen an, sodass danach alle fertig waren. Alle?   Nein, eine kleine Gruppe von 3 Personen gab nicht auf, dem Schweizer Gelände Widerstand zu leisten. Während Gisis Auto heimfuhr, blieben Johanna, Matti und Bjarne in der Schweiz zu weiteren 3 Trainingseinheiten, um dann nach Italien umzusiedeln.

Außer einem Mitteldistanz-Testlauf stand in dem felsigen Gelände am Montag ein Grün-OL an, der aber auch mit Panorama-OL hätte bezeichnet werden können. Hier gab es auch eine durchaus lebensgefährliche Schluchtüberquerung, die gute Nachricht aber ist, wir leben alle noch! Auch noch, nachdem wir die Straße mit 25% Gefälle wieder runtergefahren waren („Hier fahre ich nicht mit runter“ hatte es noch vor dem Training geheißen…).

img_0058Ab Dienstag begann dann der kurze touristische Teil der beiden Trainingswochen, aber erst, nachdem wir morgens um 7.00 Uhr zu einem Kompass-OL aufgebrochen waren. Man sollte es nicht für möglich halten, aber es gab auch ein fast flaches Gelände in der Schweiz…! Nach einem ausgiebigen Frühstück in unserem Hotel „Locanda del Giglio“, in dem wir die letzten zwei Tage verbracht hatten, ging es los auf die Autobahn und durch den Mailändischen Stau und südlich am Gardasee vorbei in Richtung Venedig. Wir parkten auf dem Festland und fuhren mit dem Zug über die Brücke, was gar nicht so leicht war, da kein Zug an dem Gleis fuhr, für das er angeschrieben war. In der Lagune angekommen ging es dann erst einmal der Nase nach, bis wir uns entschieden, doch einen Stadtplan zu kaufen. Wir hatten uns vorher gegen OL dort entschieden und so viel Spaß wie es sicher macht, man hätte wenig von der Stadt gesehen und wir waren auch so fertig genug von den ganzen Treppen – Brücke hoch, Brücke runter, … Natürlich reichten die drei Stunden bei weitem nicht, um alles zu sehen, aber immerhin einen Eindruck konnten wir gewinnen, bevor Venedig im Meer versinkt (T-Shirts in der Auslage: „We don’t need any help“, darunter ein Bild mit aus dem Wasser ragenden Kirchtürmen…). Den Kaffee für 9 Euro auf dem Markusplatz haben wir uns aber lieber gespart. Abends ging es dann weiter, die unübersichtlichen Straßen aus Mestre raus und gen Dolomiten. Unsere Vermieterin versuchte uns liebenswürdigerweise, alles auf Italienisch zu erklären, aber irgendwo hörten die Latein-Kenntnisse dann doch auf. Aber unseren Wohnungsschlüssel hatten wir bekommen, und so konnte Teil 2 der Reise beginnen.

img_0091Mittwoch war „Ruhetag“. Wir fuhren auf den Passo Rolle, also zum Zielgebiet der Langdistanz. Dort, auf 2000m Höhe, gab es noch reichlich Gelegenheit zur Schneeballschlacht und auch zum Alternativtraining – Wer trifft als erster den Schornstein? Dennoch war es im Windschutz warm genug, um sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Außerdem versuchten wir, uns im örtlichen Coop zurechtzufinden, der uns mit seinen Öffnungszeiten (4 Stunden Mittagspause, Donnerstagnachmittag geschlossen – das konnten wir aber nicht lesen) noch öfter Probleme bereiten sollte…

05_23-parallelslalom-gabelnAm Donnerstag kam dann Tim mit weiteren 4 Athleten und so konnte die eigentliche JWOC-Vorbereitung beginnen. Die erste Einheit war ein Hang-OL, denn das Orientieren im Hang dürfte in den Dolomiten von entscheidender Bedeutung sein. Insbesondere sollten wir uns bewusst für eine Anlaufrichtung der Posten entscheiden, was durch eine nicht sehr exakte Postenbeschreibung natürlich nicht immer funktionierte. Anstelle des Team-Einkaufs stand abends dann ein Besuch in der Pizzeria an, natürlich mit Bedienzuschlag.

Der zweite Trainingstag beinhaltete eine möglichst voll zu laufende Mitteldistanz in einem extrem steinigen Gebiet, die durch das Vorhandensein von lediglich permanenten Markierungen erschwert wurde. So war manch eine froh, einen 20er Schnitt gelaufen zu sein, waren doch häufig Sicht und Belaufbarkeit gleichermaßen eingeschränkt. Auch die Jungs mussten sich dabei mit bestenfalls einem 12er Schnitt zufrieden geben. Insofern war es ein Vorgeschmack auf die WM-Bahnen, die ebenfalls sehr langsam sein werden, zumindest lassen das die Bahndaten vermuten. Am Nachmittag gab es Routenwahlen im an die Mittel-Gelände angrenzenden Wald. Dieser war zum Glück wieder offener und so machte es auch wieder mehr Spaß, zumindest bis zum Umknicken im Steilhang bergab… Schweren Herzens entschied ich mich, zurückzuhumpeln, um den weiteren Aufbau nicht zu gefährden. Die anderen berichteten noch viel Positives vom Rest der Strecke, deren Gelände zum Teil noch aus dem letzten Sommer-Trainingslager bekannt war.

Die Langdistanz am Samstag musste ich dann durch Krafttraining in der Bergwiese ersetzen, wobei es hier eher um die physische Belastung ging, da wenige Posten und Routenwahlen vorherrschten. Nachmittags folgte ein Ausflug nach Feltre am Rand der Dolomiten und ca. 10-sekündigem Baden im Bergsee.

05_21-lang-quali-suiAm Sonntag standen dann zwei Tempo-Einheiten auf dem Plan. Der Sprint in Fiera, unserem Wohnort, zeigte sich als sehr abwechslungsreich, allerdings wurde Christoph leider eine vom Regen angefeuchtete Metallplatte auf dem Boden kurz vor dem Ziel zum Verhängnis. Krankenhausbesuch und Nähen an der Hüfte inklusive… Der Charakter des kleinen Dorfkerns war etwas Besonderes, das es beim JWM-Sprint wohl noch in etwas größer geben wird. Durchgänge von gut 50cm Breite und 1,50m Höhe und viele einzelne verwinkelte Häuser bieten ein großes Fehlerpotenzial. Die abschließende Einheit bildete dann ein Staffel-Training, zu dem allerdings nur noch 5 von 8 laufend antraten (Josi war schon vorher als Wandersfrau unterwegs). Ich entschied mich für die Serpentinen-Straße mit zweimal 12-Minuten-Intevallen, was im Nebel und Sprühregen aber auch nur mäßig Spaß bot. Aber da schon Wetten laufen, dass die Langdistanz in 2000m Höhe bei ebensolchem Wetter und gern auch nur noch 5°C stattfindet, war es eine wertvolle Erfahrung, nicht nur bei Sonne gelaufen zu sein. Also: Packt euch warme Sachen ein! Das gilt auch für unsere vielen Fans – Wir freuen uns auf Euch!!!

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